Marokko – Das Königreich des Sonntenuntergangs

TITUS IN

MAROKKO

DAS KÖNIGREICH DES SONNENUNTERGANGS

TEXT – THOMAS GENTSCH | FOTOS – DENNIS SCHOLZ

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MAROKKO

DAS KÖNIGREICH DES SONNENUNTERGANGS

TEXT – THOMAS GENTSCH
FOTOS – DENNIS SCHOLZ

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1001 Nacht, der Orient oder auch das Morgenland sind Begriffe, die man früher unweigerlich mit Geschichten aus einer schier unerreichbaren Ferne in Verbindung brachte. Auf umtriebigen Bazaren wird mit Gütern gehandelt, die man eher aus Märchen als dem heimischen Supermarkt kennt. Man denkt an Aladdin, goldene Öllampen, fliegende Teppiche und exotische Waren, die von unverständlich schreienden, Turban tragenden Händlern dargeboten werden. Der Kopf assoziiert diese Region der Welt unweigerlich mit einem Land, in dem Wüsten auf Oasen treffen und in der roten Abendsonne die schwarzen Silhouetten einer Kamelkarawane hinter den Dünen verschwinden. Ein Land, in dem man sich in Träumen verlieren kann und welches man, einmal da gewesen, nie wieder verlassen möchte. Das ist Marokko – zumindest in unseren aus Märchen geprägten Vorstellungen.

Eine Tour nach Marokko hingegen ist für den in Barcelona ansässigen Titus TM Dennis Ludwig fast schon „um die Ecke“.

Jelle Maatmann – Crooks pop over

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Etwas ebenfalls sehr Verführerisches – gerade bei einem etwas exotischeren Reiseziel – ist es, einen Spot-Guide zu haben.

2020 ist das Morgenland bequem mit dem Flugzeug erreichbar. Doch selbst, wenn es nur durch die schmale Straße von Gibraltar vom europäischen Festland getrennt ist, befindet man sich in Marokko in einem nordafrikanischen Land, in einem der Maghreb-Staaten. Entgegen verzerrter Bilder, die bei diesem Begriff sofort in den Kopf schnellen mögen, gibt es in diesem Land beinahe die höchsten Pro-Kopf-Einkommen Afrikas, es liefert 75% des weltweit geförderten Rohstoffs Phosphat und ist mit seiner Vielzahl an Solarkraftwerken Vorreiter auf dem afrikanischen Kontinent in Sachen Klimaschutz. Die konstitutionelle Monarchie widerspricht somit vielen Klischees, die man über das Königreich haben mag – abgesehen von den etwa 3.000 Tonnen Haschisch, die jedes Jahr nach Europa exportiert werden und die Marokko mit 70% Marktanteil zum weltweit größten Player machen.

Patrick Rogalski – bs Nosebluntslide

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Skateboard-Touren führen mittlerweile wortwörtlich in die entlegensten Teile der Erde. Eine Tour nach Marokko hingegen ist für den in Barcelona ansässigen Titus TM Dennis Ludwig fast schon „um die Ecke“, jedenfalls im Vergleich zu einer Tour nach Vietnam oder Abu Dhabi. Und auch, wenn bei Reisen von Skateteams oftmals der Grundgedanke „je exotischer, desto besser“ vorherrscht, spielen Faktoren wie Essen, Trinken und nicht zuletzt auch Rauchwaren nicht gerade die geringste Rolle. Während man im Sudan für den Genuss von Alkohol auf der Straße schonmal mit drei Peitschenhieben bestraft werden kann, droht einem in China für den Besitz von Haschisch mit etwas Pech direkt mal ein Aufenthalt im Gefängnis. Auf derartige Probleme kann man auf einer Skatetour definitiv verzichten. Allerdings sollte man es beim Exportweltmeister von Haschisch auch nicht sofort übertreiben.

Ihr könnt hier überall Skaten und solltet ihr irgendwelche Probleme bekommen, ruft mich an. Hier kann es schonmal gefährlich werden.

Das merkte vor allem einer der neueren Teamrider, nachdem sich die Jungs gleich nach Ankunft einen fast Tennisball-großen Klumpen „Marok“ gekauft hatten – zu einem Spottpreis, versteht sich. Schon nach wenigen Tagen war dieser in Rauch aufgegangen, was den Atemwegen des besagten Fahrers gewisse Einschränkungen bescherte. Die wurden derart gravierend, dass er nach der Tour zum Arzt musste und erstmal mit einer Art Inhalator einige Tage seine Lunge regenerieren durfte. Es war aber auch einfach zu verführerisch…! Etwas ebenfalls sehr Verführerisches – gerade bei einem etwas exotischeren Reiseziel – ist es, einen Spot-Guide zu haben. Gerade in Ländern, in denen man nicht davon ausgehen kann, dass die Autoritäten und Menschen im Allgemeinen der englischen Sprache mächtig sind, kann ein einheimischer Begleiter von immenser Hilfe sein.

Alex Elfing – bs Smith

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Enter Nassim Lacheb. Der gebürtige Marokkaner lebt seit etwa einem Jahr in Barcelona zusammen mit Flo Marfaing, ist viel mit Ludi zum Filmen unterwegs und war selbstverständlich mit an Bord, als es für die Titus Skateboards Jungs in seine Heimat nach Agadir ging. Nassim ist Skater durch und durch und gehört zu der Art von Menschen, mit denen man sich auf Anhieb einfach nur perfekt verstehen KANN! Alex Elfving erfuhr diese gelebte Gastfreundschaft direkt am ersten Abend am eigenen Leib. Da er alleine aus Schweden anreiste, wurde er von Nassim und seinem Bruder vom Flughafen abgeholt, ohne einen der beiden je kennengelernt zu haben. Die Fahrt führte allerdings nicht direkt ins Hotel, sondern in Schlangenlinien und eher halsbrecherischer Manier zu ein paar anderen Freunden der beiden Gastgeber. Lange Rede, kurzer Sinn: Alex genoss einen Tourauftakt, über den er und Nassim wahrscheinlich noch in 20 Jahren lachen werden. So entstehen Freundschaften fürs Leben. Überhaupt schien es, dass Alex als vielleicht Reise-unerfahrenster Teamrider stets derjenige war, der „alles abbekam“, aber so auch die vielleicht einprägsamsten Erfahrungen sammelte.

Als er am ersten Skate-Tag einen Wallride skatete, wurde er von einem wütenden Anwohner aus dessen Wohnung mit einem Glas beworfen. Er scherte sich jedoch nicht weiter darum, bis Ludi plötzlich bemerkte, dass selbiger Anwohner mit einer Eisenstange bewaffnet auf ihn losgehen wollte. Als es begann brenzlig zu werden, wurden zum Glück die einheimischen Gäste einer Bar auf die Szenerie aufmerksam und verfolgten nun ihrerseits den Angreifer. Wenige Minuten später kamen sie zurück, gaben ihr OK für ein „weiterskaten“ und der Anwohner ward nicht mehr gesehen. Solche Situationen werden in diesen Breiten eben „geregelt“, zum Glück für Alex zu seinen Gunsten. Hat man mit Ordnungsbehörden zu tun, kann es jedoch schonmal etwas komplizierter werden. So erging es den Jungs, als sie in einem kleinen Vorort ein Rail skaten wollten. Während Nassim Frühstücken war, wurden drei Uniformierte auf die Warm-Up Session aufmerksam und schon durch die Lautstärke der einseitigen Konversation war schnell klar, dass die Crew an diesem Spot alles andere als erwünscht war.

Als er am ersten Skate-Tag einen Wallride skatete, wurde er von einem wütenden Anwohner aus dessen Wohnung mit einem Glas beworfen.

Vladik Scholz – Kickflip

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Nervös zückte Ludi sein Handy und rief Nassim an, der seines Zeichens mit Höchstgeschwindigkeit zurück zum Spot pushte. Dort angekommen stellte er sich den Polizisten vor und konnte die Situation in kürzester Zeit beruhigen. Dennoch dachte kaum einer daran, den Spot noch skaten zu dürfen, bis sich Nassim entspannt umdrehte und meinte: „Ey Ludi, seid ihr schon fertig oder wollt ihr den Spot noch skaten?“. Die Jungs konnten ihr Glück kaum fassen, allerdings wurde die Situation erst richtig skurril, als der Polizist sein Handy zückte und zusammen mit der ganzen Crew ein Selfie schoss. Danach verschwand der – wie sich später herausstellte – Polizeichef des Ortes. Allerdings hatte er Nassim noch seine Nummer ins Handy eingespeichert mit den Worten: „Ihr könnt hier überall skaten und solltet ihr irgendwelche Probleme bekommen, ruft mich an. Hier kann es schonmal gefährlich werden“. Das Wort „Bust“ gehörte ab diesem Moment der Vergangenheit an.

Die eingangs angedeutete Magie von Orient und dem afrikanischen Kontinent schien sich im Laufe des Trips wie ein edler Berberteppich unter unsere skatende Reisegruppe zu legen. Angefangen bei der Gastfreundschaft der Einheimischen, besonders von Nassim und seinem Bruder, über magische Sonnenuntergänge und einzigartige Skatespots bis hin zu exzellenten Lebensmitteln und Rauchwaren konnte sich das Team durchaus in märchenhaften Träumen verlieren. Dazu trug besonders Nassims stets mitreisender Bruder bei, der die Truppe zwar nicht mit einer magischen Lampe, aber mit nicht minder beeindruckenden Kartentricks unterhielt. Wahre Zauberkünste stellte er jedoch am letzten Abend unter Beweis: Er hypnotisierte Jost. So gelang es ihm, trotz der französischen Sprachbarriere, dass Jost weder seine Finger auseinander bekam, noch seinen Ellenbogen von der Armlehne des Sofas bewegen konnte. Eine einheimische Freundin, die ebenfalls anwesend war und des Französischen mächtiger war, hielt sich wenige Zeit später für „Dennis“. Als sie sich obendrein Ludis Brille aufsetze, saß das komplette Titus Skateboards Team nackt vor ihr im Zimmer und sie verbarg vor Scham ihre Augen in den Armbeugen. Spätestens an dieser Stelle wurde den Jungs bewusst, dass der Orient auch im 21. Jahrhundert noch ein Ort ist, an dem bisweilen eine märchenhafte Realität herrscht – man muss sich ihr nur hingeben!

Die eingangs angedeutete Magie von Orient und dem afrikanischen Kontinent schien sich im Laufe des Trips wie ein edler Berberteppich unter unsere skatende Reisegruppe zu legen.

Markus Blessing – bs Kickflip

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