IM GESPRÄCH: FABIAN FUCHS

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IM
GESPRÄCH:
FABIAN F. FUCHS

Interview

Kilian Acher

Portrait

Jessica Fuchs

Ich kenne Fabian zwar erst seit ein paar Jahren, aber ich war von Anfang an schwer von seiner Arbeit und vor allem seiner Art beeindruckt. Fabian ist ein junger Künstler aus Stuttgart, der über die Liebe zum Schnee- und Rollbrett und der Faszination für Videos, Magazine und allem, was dazu gehört, seine Leidenschaft gefunden hat. Früher war er noch mehr mit Fotografie beschäftigt, heute animiert er für verschiedene Film- und Videoprojekte, stellt seine Artworks und Installationen in der ganzen Welt aus. Fabian ist die Sorte Mensch, die stets positive Vibes versprüht und sich auch wirklich auf Leute einlässt. Er weiß ganz genau, was er will und ist immer mit ganzem Herzen dabei. Daher macht es wirklich Spaß, mit ihm zu arbeiten, aber vor allem auch über Gott und die Welt zu sprechen. Ich durfte ihn nun offiziell für dieses IM GESPRÄCH interviewen und hoffe, ihr versteht nach dem Interview, was ich meine. Fabi, danke, dass du dir Zeit genommen und meine Fragen beantwortet hast. Alles Gute für dich!

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GESPRÄCH:
FABIAN F. FUCHS

InterviewKilian Acher
PortraitJessica Fuchs

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Ich kenne Fabian zwar erst seit ein paar Jahren, aber ich war von Anfang an schwer von seiner Arbeit und vor allem seiner Art beeindruckt. Fabian ist ein junger Künstler aus Stuttgart, der über die Liebe zum Schnee- und Rollbrett und der Faszination für Videos, Magazine und allem, was dazu gehört, seine Leidenschaft gefunden hat. Früher war er noch mehr mit Fotografie beschäftigt, heute animiert er für verschiedene Film- und Videoprojekte, stellt seine Artworks und Installationen in der ganzen Welt aus. Fabian ist die Sorte Mensch, die stets positive Vibes versprüht und sich auch wirklich auf Leute einlässt. Er weiß ganz genau, was er will und ist immer mit ganzem Herzen dabei. Daher macht es wirklich Spaß, mit ihm zu arbeiten, aber vor allem auch über Gott und die Welt zu sprechen. Ich durfte ihn nun offiziell für dieses IM GESPRÄCH interviewen und hoffe, ihr versteht nach dem Interview, was ich meine. Fabi, danke, dass du dir Zeit genommen und meine Fragen beantwortet hast. Alles Gute für dich!

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Grüß’ dich, Fabi! Freut mich riesig, dass es geklappt hat. Lass uns doch direkt anfangen: Kurz und knapp, warum machst du Kunst? Tatsächlich zum Ausgleich. Ich habe schon immer sehr viel visuell gearbeitet, sei es, Fotografie, Film oder Animationen. Aber da ich im Arbeitsalltag eh die meiste Zeit vorm Computer sitze, habe ich irgendwann angefangen, mich abends mit anderen Medien zu beschäftigen und einfach für mich gearbeitet. So hat das alles angefangen und sich jetzt ein bisschen verselbständigt – nicht geplant, aber cool!

Wie sieht dein „Kreativprozess“ im Allgemeinen aus? Machst du dir davor viele konzeptionelle Gedanken oder expaerimentierst du eher? Prinzipiell mache ich mir immer große Konzepte und denke ewig darüber nach – manchmal vielleicht auch zu viel. Gerade weil es meine privaten Arbeiten sind, geht es mir vor allem um die Freiheit, das machen zu können, worauf ich Bock habe und einfach loszulegen. Somit ist es immer auch etwas Emotionales. Ich versuche das, was in mir vorgeht, auf die Leinwand oder das Papier zu bringen. Auch wenn es oft erstmal im Papierkorb landet, war es nicht umsonst, denn es entspannt mich und ich fühle mich gut dabei. Darum geht es mir in erster Linie.

Wie du es gerade auch schon erwähnt hast, arbeitest du mit verschiedenen Medien. Suchst du dir das Medium nach deinem Konzept aus oder entwickelst du das Konzept anhand des Mediums? Ich glaube, das ergibt sich ganz natürlich. Die digitalen Arbeiten entstehen meistens während eines Projekts, bei dem sich das Digitale einfach besser anbietet. Bei einem Film, zum Beispiel, ist es naheliegend, dass ich die Animationen digital am Computer mache. Oft würde ich solche Sachen gerne auch analog machen, aber da spielen die Faktoren Geld und Zeit die größten Rollen. Andere Sachen mache ich nach Lust und Laune. Wenn ich, zum Beispiel, eine Leinwand male, nehme ich mir bewusst die Zeit und lasse das Bild sich entwickeln. Deswegen sehen solche Bilder auch im Vergleich zu Sachen, die ich abends nach der Arbeit oder mitten in der Nacht gemalt habe, anders aus.

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Da es für uns als Print-Magazin immer wieder ein großes Thema ist: Wie gehst du mit den zwei Welten, digital und analog, bei deinen Arbeiten um? Wo siehst du ihre Vor- und Nachteile? Ich verbringe sehr viel Zeit mit meinem Computer. Daher fühle ich mich oft ein wenig eingeschränkt. Mir fehlt ein gewisser Freestyle im Umgang mit dem PC. Wenn man mit dem Computer arbeitet, muss man warten, bis die Software etwas berechnet hat. Da fehlt mir ein bisschen das Intuitive. Natürlich gibt es auch viele Vorteile. Beispielsweise das Rückgängigmachen, also „cmd+Z“, hätte ich manchmal auch im echten Leben gerne. Allerdings kommen wir dann wieder zum Intuitiven zurück. Da es eben im echten Leben nicht möglich ist, etwas rückgängig zu machen, muss ich analog mit meinen „Fehlern“ weiterarbeiten. Das bringt mich oft ganz automatisch auf neue Gedanken und Wege, etwas umzusetzen. Letztendlich glaube ich, dass es eigentlich keinen großen Unterschied zwischen analog und digital gibt. Die Grenzen sind hier fließend. Vielleicht mache ich es mir gerade auch ein bisschen schwer, all diese Medien gleichzeitig bespielen zu wollen, aber ich versuche immer, diese neuen Erkenntnisse aus dem Analogen in das Digitale zu übertragen. Es sind im Grunde alles Werkzeuge, mit denen ich meine Ideen visualisiere und realisiere. Ich bin mir sicher, dass ich irgendwann an einen Punkt kommen werde, an dem ich das Beste aus beiden Welten verbinden kann.

Wenn man dir auf Instagram (@thefandfandf) folgt und sich generell für deine Arbeiten interessiert, fällt einem auf, dass Symbole, Themen und Bilder, zum Beispiel Dinosaurier, Aliens, USA, Wasser, etc., immer wieder auftauchen. Sag doch mal, was sich dahinter verbirgt?     Naja, über manche Sachen rede ich gerne, über manche nicht so sehr. Allerdings muss ich gestehen, dass ich das noch gar nicht so oft gefragt worden bin. Ich überdenke gerne alles, was ich tue. Deswegen gibt es wenige Sachen, die ich einfach nur so mache. Bei meinen Arbeiten gibt es keinen Klecks, der keine Bedeutung hat. Eigentlich interessiert mich einfach die Welt, in der ich lebe. Daher beschäftige ich mich auch stets mit ihr. Manchmal entwickle ich dabei eine eher pessimistische Einstellung. Ohne mich jetzt als stark politischen und informierten Menschen darstellen zu wollen, aber ich finde, jeder hat das Recht, sich wenigstens auszudrücken zu dürfen. Wenn wir, zum Beispiel, das Thema USA nehmen, haben vermutlich die meisten Leute vergleichbare Ansichten. Wenn ich ein Bild mit diesem Thema auf Instagram poste, komme ich über die visuelle Ebene mit ihnen in Kontakt. Bei fast allem, was ich poste, schreiben mir die Leute und man fängt an, sich auszutauschen. Das ist einfach herrlich! Natürlich ist dieser Kontakt ein Stück Motivation, solche Dinge weiterzumachen. Bei anderen Motiven oder Bildern ist es ganz anders. Es sollen vor allem unterhaltende Werke sein, Bilder die eine sinnliche Ebene haben, wie zum Beispiel meine „Blauen Bilder“. Natürlich kann ich dabei immer nur von mir sprechen, da andere sich vielleicht nichts dabei denken oder fühlen. Aber wenn du dir die Zeit nimmst und die Bilder wirklich auf dich wirken lässt, kannst du dabei etwas mitnehmen. Hier spielt der Faktor Zeit wieder die größte Rolle, da du sie natürlich auf Instagram nicht so nutzen kannst, wie bei einer Ausstellung. Ich lebe wirklich mit meinen Arbeiten. Sie stehen, hängen und liegen bei mir herum und ich sehe sie mir jeden Tag an. Dabei entscheide ich auch, ob sie mir gefallen oder nicht und ob sie vollständig sind oder nicht. Grundsätzlich finde ich es am spannendsten, die Leute einfach denken zu lassen, was sie wollen.

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Findest du es wichtig, als Künstler solche Statements zu machen und vielleicht sogar Akzente setzen zu können? Das, was du gerade beschreibst, sehe ich eher als Arbeit von Aktivisten: Leute mit Statements über ein Thema zu informieren und einen Aufruf zu starten. Das ist allerdings ganz und gar nicht meine Absicht. So sehe ich mich auch nicht. Ich möchte niemanden überzeugen, aber natürlich habe ich meine eigenen Ansichten, die ich in die Arbeiten einfließen lasse, um Leute zum Nachdenken und Diskutieren anzuregen. Außerdem will ich nicht immer so tun, als wäre alles happy und toll. Leute fotografieren ihr tolles leckeres Essen, ihre Reisen und Klamotten. Alles ist schick und schön. Ich glaube, ein wenig Nachdenken und die Beschäftigung mit solchen Themen, kann den Alltag bereichern. Dennoch würde ich meine Bilder nicht als Akzente sehen, denn es gibt so viel besseres und provokanteres Zeug. Dagegen ist meines dann doch sehr weichgespült. Aber ja, manchmal bin auch ich wütend und zeige das dann eben so.

Du hast eben schon über den schönen Austausch mit Followern auf Instagram gesprochen. Wie wichtig ist es für dich, über soziale Medien zu agieren? Was für einen Stellenwert nimmt die digitale Welt in deinen Augen ein? Für mich ist das alles irgendwie eins geworden. Social Media gehört mittlerweile einfach dazu. Ich kenne inzwischen Leute auf der ganzen Welt. Durch soziale Netzwerke ist es natürlich einfacher, sich mit ihnen zu verbinden oder wenigstens verbunden zu fühlen. Du siehst mehr oder weniger live, wo sich die Leute gerade aufhalten und was sie unternehmen. Das kann man zwar auch wieder negativ sehen, aber ich finde es grundsätzlich eine interessante Sache, gerade wenn es um direktes Feedback zu meinen Arbeiten geht. Trotzdem sollte dem Ganzen nicht zu viel Wert zugesprochen werden. Ich habe im letzten Sommer monatelang keine sozialen Medien benutzt und es war auch ohne okay. Ich sehe das auch nicht als Business- oder Marketing-Tool. Die echten Sachen passieren auch im echten Leben und ich werde immer das persönliche Gespräch vorziehen.

Du warst Ende 2017 beim adidas showcase x JUXTAPOZ als einziger deutscher Künstler vertreten und konntest dort ausstellen. Wie kam es dazu? (Schulterzucken) „Hallo Fabi, hast du Bock nach Miami ins Juxtapoz Clubhouse zu kommen und dort beim Showcase auszustellen?“ – Ich bekam eine E-mail, nachdem ich letztes Jahr mit der Atagge Crew und Alex Tank an einem Snowboardfilm, bei dem adidas Snowboarding involviert war, gearbeitet hatte. Der Film feierte in Innsbruck auf dem ersten adidas Snowboarding Showcase Premiere, bei der ich meine Arbeiten ausstellen durfte. So hat sich das dann alles ergeben. Nichts, womit ich gerechnet hätte und ich war ordentlich gestoked, dass das so hingehauen hat.

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Um nochmal auf die „Blauen Bilder“ zu sprechen zu kommen. Du hast diese Bilder mit nach Miami genommen. Sind die speziell für diese Ausstellung konzipiert? Eins davon durfte ich davor ja schon mal sehen! Ja, ich hatte eines der Blauen erst als Einzelstück für meine „Summer“ Exhibition im Arrow&Beast letzten Sommer gemalt. Da ich aber, wie gesagt, mit meinen Arbeiten zusammenlebe, kann ich sehen, wie sie wirken. So war das auch bei diesen Bildern und ich entschied mich, ohne speziellen Anlass, dem Ersten einen Partner zu malen. Als irgendwann die Anfrage für Miami kam, habe ich eine ganz andere und neue Serie gemalt mit Storyboard für eine dazugehörige Video-Animation, da mir Bildschirme in Aussicht gestellt wurden. Daraus wurde leider doch nichts und ich wollte die Serie nur in Verbindung mit der Animation zeigen. Schlussendlich hat es sich so entwickelt, dass ich die zwei Blauen zu einem kompletten Bild erweitert habe, um sie ausstellen zu können.

Was hältst du grundsätzlich von dem adidas Showcase Konzept und wie wichtig sind solche Plattformen für junge freie Künstler? Ich finde es wahnsinnig konsequent von adidas, mit dem Konzept so weit zu gehen. Es ist ein vollkommen professionelles Projekt, in das sie auch wirklich investieren und den Künstler somit eine ganze Menge ermöglichen. Sie kümmern sich um die gesamte Organisation, von der Unterkunft für die Künstler über den Transport der Bilder. Gleichzeitig lassen sie dir aber auch die komplette Freiheit auszustellen, was du willst.  Kunst gehört ohne Frage zum Skateboarding und adidas hat sich Skateboarding und Snowboarding als wichtiges Steckenpferd gesetzt. Genauso konsequent unterstützen sie daher auch die Künstler, um den Leuten wieder etwas zurückzugeben. Diese Showcase-Events sind einfach eine schöne Idee: Leute kommen zusammen, schauen sich Kunst aus verschiedensten Bereichen an und haben einfach eine gute Zeit. Ich finde, es ist heutzutage auch ein Statement, Kunst so zu präsentieren und  zu zeigen, wie wichtig die Kunst für uns alle ist. Natürlich wissen wir alle, dass adidas das nicht aus reiner Nächstenliebe macht. Allerdings gibt es nicht mehr viele Brands, die Geld in solche Sparten investieren und sie fördern. Vor allem merkt man im direkten Kontakt, dass dort Leute arbeiten, die real sind und auch selbst Bock haben, coole und authentische Projekte für die Szene zu machen.

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Haben sich die beiden Showcases in Innsbruck und Miami unterschieden? Wie war das so? In Innsbruck war alles entspannt und familiär. Wir hatten die Filmpremiere und eine Bar, in der wir die Artworks der verschiedenen Künstler aufgehängt und schön ausgeleuchtet haben. Ich glaube, die Sachen hingen dort auch noch eine Weile. In Miami war das eine Spur anders: Du kommst vom Flughafen direkt in ein riesiges Hotel, der Typ an der Rezeption begrüßt dich und überreicht dir ein Päckchen von adidas als Begrüßungsgeschenk. Anschließend kommst du auf dein Zimmer, unglaubliche Aussicht auf Hotelanlage, Pools und Downtown – einfach verrückt! Danach pushten Lucas Goller, Hugo Fernandes und ich, die einzigen Europäer, zum Clubhouse. Die Galerie war eine ehemalige, leerstehende Apotheke, dreistöckig und extra für das Event gemietet. In diesem Gebäude war jeder Quadratzentimeter voller Kunst – völliger Overflow! Ich hatte leider erst am letzten Tag Zeit, mir alles genauer anzuschauen und da wurde mir erst bewusst, wie viele großartige Künstler dabei waren. Mein Highlight war allerdings die Möglichkeit, sich auch noch mit solchen Leuten austauschen zu können und Kunst und Skateboarding zu vermischen. Zusammen durch die Stadt zu pushen, auf einem der Events sogar Atiba Jefferson und Brian Lotti kennenzulernen und mit ihnen zu sprechen, war auf jeden Fall auch nochmal ein anderes Kaliber. Eine tolle Erfahrung!

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Wie unterscheidest du zwischen deinen Agentur Jobs und den Arbeiten für Polar Skate Co., Carhartt, adidas und so weiter? Hast du dort auch Guidelines, Konferenzen und strenge Deadlines? Die Arbeit in der Agentur ist mein tägliches Brot, obwohl ich sie auch gerne mache. Auf der anderen Seite gibt es die Projekte mit Brands oder Freunden und Bekannten, die deshalb für mich keine Jobs darstellen. Daneben gibt es auch noch meine eigenen freien Arbeiten, die ich nur für mich mache. Ich habe das große Glück, mir diese Projekte bewusst aussuchen zu können. Ich suche den Reiz in der Herausforderung und den Menschen, mit denen ich zusammenarbeite. Solche Kollaborationen sind auch auf persönlicher Ebene wahnsinnig bereichernd. Ich weiß auf was und wen ich mich einlasse und muss dann auch nicht unbedingt die „Guideline-Schiene“ fahren. Ich möchte Sachen machen, mit denen ich vielleicht sogar etwas zurückgeben kann. Der Snowboardfilm mit Atagge war daher auch kein adidas Projekt für mich, sondern einfach ein weiteres Video mit Alex Tank.

Vermisst du bei solchen freundschaftlichen, lockeren Projekten manchmal die „professionelle“ Arbeitsweise aus der Agentur? Ich trenne diese beiden Welten komplett.  Die Leute sind nicht aus beruflicher Pflicht dabei, sondern haben Bock und sind genauso mit dem Herz dabei wie ich. Deshalb will ich mit ihnen arbeiten. Ich kenne die Leute und weiß, dass die Arbeit auf gegenseitigem Respekt beruht. Deswegen ist es eigentlich egal, ob ich für die Agentur oder mit Freunden arbeite. Wenn ich etwas anfange, gebe ich immer alles, weil ich halbherzige Sachen hasse!

Was sind deiner Meinung nach die drei wichtigsten Eigenschaften, um sich selbst zu verwirklichen? Du musst vor allem auf dich hören, um herauszufinden, was du überhaupt umsetzen willst – nicht das, was gerade modern oder cool ist. Du musst viel Energie in solche Projekte stecken und dir auf dem Weg treu bleiben. Du musst dein eigenes Ding durchziehen, dich aber gleichzeitig nicht komplett verschließen. Sei offen für alles, was so kommen mag und vertrau‘ darauf, dass es dann auch funktionieren wird. Du kannst mich aber bei Gelegenheit nochmal fragen und ich antworte dann komplett anders (lacht).

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Wolltest du deine Arbeiten schon immer ausstellen und einem größeren Publikum zeigen? Richtig lustig, das hatte ich schon total verdrängt. Kein Mensch wusste, dass ich male. Irgendwann wurde ich gefragt, ob ich bei einer Ausstellung mitmachen möchte. Zu der Zeit habe ich noch mehr fotografiert und die Leute dachten, ich würde meine Fotografien ausstellen. Ich stellte allerdings meine gemalten Bilder aus und alle Anwesenden waren erst ziemlich überrascht, fanden meine Arbeiten aber dann sehr cool. Inzwischen ist es eher so, dass ich gar nicht mehr die Option sehe, meine Arbeiten nicht zeigen zu wollen. Mal davon abgesehen, dass viele meiner Arbeiten als Projekte geplant sind und somit eh irgendwann veröffentlicht werden. Ich glaube, es geht für mich hauptsächlich darum, anderen Dinge, die ich schön finde, zugänglich zu machen und mit ihnen zu teilen. Es gibt viele Jobs, bei denen ich nicht wirklich viel mit Menschen in Kontakt stehe, aber ich weiß, dass meine Arbeiten auch eine gewisse Wirkung auf die Menschen haben. Es gibt mir enorm viel, wenn jemand auf einer Ausstellung vor einem meiner Bilder steht oder einen meiner Filme sieht, ein Lächeln auf dem Gesicht hat oder sich auf irgendeine Art und Weise damit auseinandersetzt. Überleg mal: Wer schaut sich denn noch eine Dreiviertelstunde einen Film an? Das ist manchmal mit einem gewissen Druck verbunden, aber auf der anderen Seite macht es auch eine Menge Spaß zu wissen, dass viele Leute meine Arbeiten sehen werden und ich mich dann mit eben diesen Leuten unterhalten kann. Diese Dinge motivieren mich jedes Mal aufs Neue und sind auch der Grund, warum ich das alles mache.

Was würdest du einem Kind sagen, das nicht so genau weiß, ob seine Arbeiten überhaupt einen Platz in der Welt haben oder ob sie gut genug sind? (lacht) Und wer bin ich, das beantworten zu können? Ich nehme mir meinen Platz ja auch einfach. Meiner Meinung nach kann das jeder.  Die Welt ist so groß und es ist so viel Platz für alle da. Ich finde es einfach cool, wenn Menschen aktiv etwas machen. Sowas kann man doch eigentlich nur ermutigen! Außerdem ist es für jeden persönlich eine Art Test und sehr aufregend, die eigenen Arbeiten öffentlich zu machen und das erste Mal auszustellen. Man arbeitet so lange an manchen Bilder, dass es wichtig ist, zu sehen, wie es auf Menschen wirkt und was sie davon halten. Durch diese Erfahrungen wachsen du und deine Arbeiten. Klar, kann es auch mal frustrierende Zeiten in dem Prozess geben, aber auch die helfen dir, dich weiter zu entwickeln.

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Du hast vorher erwähnt, dass du an Board Graphics gearbeitet hast. Wie siehst du denn die Entwicklung von Kunst und Design im Skateboarding generell? Es freut mich sehr. Das ganze Business ist super schnelllebig. Alles ist größer, schneller und eben immer verfügbar. Früher waren es ein paar Leute, die sich kannten und ein Boardbrand gegründet haben. Einer von ihnen war dann eben fürs Design zuständig. Heute gibt es das natürlich immer noch, aber heute findet immer mehr Austausch mit anderen Künstlern und Designern statt. Das ist ja das reizvolle am Skateboarding, dass es eben so eng mit Kunst, Design, Musik und Kreativität im Allgemeinen verbunden ist. Es fragt keiner nach deinem Abschluss oder Titel. Wir sind doch im Grunde alle Fanboys von Skateboarding und den verschiedenen Charakteren innerhalb und auch außerhalb. So entstehen auch mal nicht so geile Designs, aber das macht es auch wieder sympathisch. Gerade diese Offenheit und das Familiäre sind das, was Skateboarding für mich ausmacht. Es ist nicht alles so professionell und ernst und bietet dadurch einen perfekten Nährboden, auf dem sich die Leute entwickeln und vielleicht sogar eine ganz neue Richtung finden können.

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Hast du jemals gedacht, dass deine Kunst dir einmal Türen öffnen kann und du dadurch so viele Orte und Menschen kennenlernen wirst? Die ganze Sache war nie exakt so geplant. Trotzdem hatte ich natürlich Ziele und entschied mich bewusst für bestimmte Möglichkeiten. So ergab sich irgendwann eine Richtung und ich bin immer offen für neue Sachen. Am meisten Spaß in diesem Zusammenhang macht mir das Reisen. Wenn du in eine Stadt kommst, um dort deinen Film oder deine Bilder zu zeigen, lernst du den Ort und die Leute ganz anders kennen. Das ist mega geil! So hätte ich mir das nie vorgestellt, aber ich bin super froh, dass es funktioniert.

Zu guter Letzt brennt natürlich noch die eine Frage: Was steht bei dir als Nächstes an und worauf können wir uns freuen? Ich habe im Moment wirklich viele Sachen am Start und bin gerade dabei, alles durchzuplanen. Viele Dinge sind aber einfach auch noch nicht spruchreif. Ich bin, zum Beispiel, schon seit einiger Zeit dabei, mit dem Arrow&Beast Skateshop aus Stuttgart eine Kollektion auf die Beine zu stellen. Die vorher schon erwähnten Board Graphics sind auch Teil dieser Kollektion. Das hat sich alles ein bisschen nach hinten verschoben, aber wir sind jetzt auf der Zielgeraden und wenn ihr das lest, sollte sie auch schon auf dem Markt sein. Ich werde auch ziemlich sicher wieder an einem Videoprojekt mit Alex Tank arbeiten und wieder Projekte mit alten Bekannten und vielleicht neuen Partnern angehen. Wie gesagt, befindet sich alles noch in Planung. Ich spreche super gerne über Dinge, wenn sie fertig sind und kündige sie ungern vorher an (lacht). Es ist nämlich oft so, dass doch noch irgendetwas dazwischenkommt oder fehlt, wodurch nur unnötig Druck entsteht. Ich möchte aber auf jeden Fall weiterhin Zeit für meine privaten Arbeiten finden. Das will ich mir auf keinen Fall nehmen lassen. Ich plane definitiv auch schon eine weitere Ausstellung. Generell möchte ich mit jedem meiner Projekte wachsen. Ich möchte in ihnen etwas finden, das mich ausfüllt und reizt. Gleichzeitig will ich den Leuten, die meine  Arbeit sehen, einen neuen Reiz geben und vielleicht sogar bewegen – das ist mir immer sehr wichtig!

Dann können wir ja nur gespannt sein! Vielen, vielen Dank nochmal und wenn du noch ein paar letzte Worte hast: Bitteschön! Keine letzten Worte, nur Worte zum Abschluss. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich für die Unterstützung meiner Familie und Freunden auf meinem Weg bedanken. Ganz egal, wo ich hinkam, wurden fremde Menschen zu Bekannten und Freunden. Noch nie habe ich Feindseligkeiten erlebt. Natürlich stressen wir uns mal mit dem Security oder dem grimmigen Busfahrer. Aber kein Mensch möchte einem anderen ernsthaft Schlechtes und trotzdem sehen wir in den Medien täglich reale Gewalt. Im Vorabend-Programm geht es weiter mit Mord und Totschlag und das ist unsere Welt? Meine nicht! Und deine auch nicht! Wir wissen, wann immer wir in eine fremde Stadt kommen, wie sich ein für uns wildfremder Mensch fühlt, der für seinen Trick kämpft und ihn steht. Es besteht eine Verbindung. Wir sind nicht neidisch, sondern freuen uns doch füreinander. Lasst uns dieses Gefühl auch ausserhalb unserer Gemeinschaft teilen. Und lasst uns die Welt fragen, ob die Medien nicht einfach ein falsches Tape eingelegt haben!

Nachdenklicher Fabian out. Peace. Micdrop.

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